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Blog (Gepfeffert und gesalzen – zwei Unternehmerinnen berichten)
Und davon kann man leben? – Die Sache mit dem Geld
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Mittwoch, 09.07.2008 17:14 Uhr
Sandra Thoms
Und davon kann man leben? – Die Sache mit dem Geld
Ist die eigene Firma erst einmal angemeldet, gibt es viele todsichere Wege, sich die Freude am Projekt zu verderben. Einer meiner Favoriten: Jemand fragt, was ich mache, ich erkläre voll Enthusiasmus meine Geschäftsidee und zurück kommt ein zweifelndes „Und davon kann man leben?“
Um es gleich festzuhalten: Nein, davon kann man nicht leben. Ein Firma, die eben gegründet wurde, trägt sich nicht und schon gar nicht den Inhaber. Das ist normal und jeder Wirtschaftswissenschaftler kann bestätigen, dass es 3-5 Jahre, unter Umständen sogar bis zu 7 Jahren, dauert, bis sich ein Neugründung trägt (auch hier wieder die Ausnahme: Die geniale, noch nie da gewesene Erfindung – siehe Beitrag „..“).
Der Firmengründer hat nun entweder große Ersparnisse, den reichen Onkel in Amerika, diverse lukrative Nebenjobs, einen guten Draht zu seinem Kreditinstitut oder mehrere dieser Punkte. Da die meisten Gründer, die ich kenne, nicht über die ersten beiden Punkte verfügen und auch keine nähere Bekanntschaft mit der Bank schließen wollen, sind vor allem Nebenjobs sehr gefragt. Ein gute Variante ist es hier, vom vorherigen Arbeitgeber nicht im Krieg zu scheiden und so vielleicht die Möglichkeit zu haben, die eine oder andere Aufgabe, mit der man sowieso betraut war, extern zu erledigen. Hier besteht allerdings das Risiko, dass sich der Chef, dann Ex-Chef so an den Vollzugriff auf die Arbeitszeit gewöhnt hat, dass er nicht damit umgehen, kann dass die Belange der Firma nicht mehr die absolut einzige Sorge sind und die Bearbeitung daher vielleicht länger braucht, weil sie in der Priorität hinter anderen Projekten stehen.
Glücklich ist in Sachen Nebenjob der, der eine Arbeit gefunden hat, die sich stundenweise erledigen lässt, am besten vom eigenen Büro aus, deren Bezahlung den Aufwand auch entschädigt und die vielleicht nicht tödlich langweilt. Ist aber eher die Ausnahme, daher wird der künftige Zeitspagat nicht nur aus eigene Firma, Familien und Freizeit bestehen, sondern noch aus „Zweit-Arbeitgeber“ und ggf. „Dritt-Arbeitgeber“. Und warum tue ich mir das an? Diese Antwort muss jeder für sich selbst finden. Für mich lautet Sie: Weil ich sonst niemals beruflich und privat diesen Freiraum genießen könnte, den ich brauche, um glücklich zu sein. Und ich habe seit der Gründung sicher manchmal gezweifelt, aber ich habe es nie bereut.
Übrigens: Mein Highlight in Sachen Zweifler war ein Bauingenieur (Schwerpunkt meines Wissens Straßenbau), dem ich von meinem Buchverlag erzählte und bei dem die Antwort dann nicht nur lautete „Und von dem kann man leben?“, sondern „Kann man von etwas leben, was niemand braucht?“
P.S.: Gibt es selbstständige Leserinnen dieses Beitrags? Wenn ja, würde ich mich über einen kurzen Kommentar freuen, ob am Anfang auch der Nebenjob stand. Und welcher denn? Ich bleibe meiner Ausbildung treu und übersetze nebenbei, ich setze aber auch, lektoriere, korrigiere und organisiere Konferenzen.
P.P.S: Weil es mir gerade einfällt: Ein hilfreicher Link für Existenzgründer: [www.existenzgruender.de]
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Sandra Thoms
[www.dryas.de<]
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4 Kommentare
Hi,
hier auch eine, die es gewagt hat, sich selbständig zu machen.
Allerdings eher aus der Not heraus, dass man eine Mama mit 2 keinen Kindern nirgends einstellen wollte. :-)
Bin jetzt seit fast 3 Jahren selbständig - am Anfang habe ich nichts verdiene, eher das Gegenteil war der Fall. Mittlerweile haben wir durch mein Geschäftchen einen netten "Nebenverdienst" - wobei dieser Nebenverdienst wohl spätestens nächstes Jahr genauso hoch sein wird, wie der Verdienst von meinem Mann.
Da ich ja "hauptberuflich" Mutter (von mittlerweile 3 Kindern) und Hausfrau bin, hat sich das mit dem Finanzieren nie gestellt... am Anfang haben wir unseren Lebensunterhalt nur vom Geld meines Mannes bestritten - mittlerweile kommt ca. 1/3 schon von mir.
Ich will auch nie mehr zurück ins Angestelltenverhältnis - liebe meine Freiheit und das Glück, auch mal daheim bleiben zu können, wenn meine Kinder mich brauchen.
Achja, falls sich jetzt jemand fragt, womit ich mein Geld verdiene:
Ist z.B. eines meiner Projekte - davon habe ich mittlerweile ca. 15 Stück ... und jetzt kommt wieder die Frage: ... und davon kann man leben? ;-)
Wir bald JA.
Birgit
Birgit Lorz
Donnerstag, 17.07.2008 18:02 Uhr
Hallo Sandra,
wir haben die ersten 2 Jahre während der Gründung unserer Agentur fast jeden Abend in einer Dunkelkammer gestanden udn tausende von Prints für eine PR-Agentur gemacht. Davon konnten wir dann ein bisschen leben und tagsüber haben wir erste Referenzprojekte für die junge Firma angefertigt. Mein Bruder, damals schon Manager in einem Konzern, hatte für unseren Firmenzweck den Kommentar übrig: "Internet - das machen bei uns die Studenten...". Das war 1997. Seither hat sich sehr viel getan! Der Markt ging auf und ab. es ändert sich alles ständig und niemand - schon gar kein Bauingenieur - hat den Überblick darüber, was die Leute alles brauchen! Ich glaube inzwischen, wenn man sich auf etwas spezialisiert, was nur wenige Leute brauchen kann man von einer solchen Nische sehr bequem leben.
Tanja
Donnerstag, 10.07.2008 15:27 Uhr
Liebe Lucia,
vielen Dank für den Hinweis. Die Selbstständigkeit im Nebenerwerb ist natürlich auch eine Alternative. Wobei ich mich frage, ob das auch in allen Bereichen möglich ist. Ich glaube, wenn man sich mit dem Angebot von Dienstleistungen selbstständig macht, ist es nicht so problematisch, wenn man jedoch ein Produkt herstellt, eher, da du in diesem Fall noch besser erreichbar sein musst.
Schlussendlich kann ich aber nur aus meiner Erfahrung berichten und ich muss sagen, wenn mein Verlag wirklich wachsen soll, ist diese Form leider nicht möglich. Ich kenne Unternehmer, die das im Verlagsbereich so handhaben, aber das sind meist sehr spezialisierte Verlage, die kaum auf Wachstum ausgerichtet sind.
Hast du Erfahrung mit dem Thema?
Viele Grüße
Sandra
Sandra Thoms
Donnerstag, 10.07.2008 08:20 Uhr
Hallo Sandra,
für Zweiflerinnen und Zweifler ;) ist die nebenberufliche bzw. Teilzeit-Selbständigkeit eine interessante Alternative. Dazu gibt es übrigens auch zwei interessante Bücher:
- Teilzeit Selbständigkeit: Das Handbuch für die Kleinunternehmerin von Birgitt Torbrügge
- Nebenbei Selbständig. Ratgeber für Selbständige in Teilzeit von Karin Leppin und Konar Mutafoglu
Lucia Serlenga-Gölz
Donnerstag, 10.07.2008 00:26 Uhr
