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Montag, 09.06.2008 03:46 Uhr
Ines Kistenbrügger Sabet

Wer wird zuerst gegangen?

Nun ja, seien wir mal ehrlich. Wer erst anfängt, sich über seine Leistungen und die Wirkungen auf die Vorgesetzten und Kollegen Gedanken zu machen, wenn Entlassungen drohen, der ist tatsächlich ein wenig spät dran.

Aber allen anderen sei gesagt: Es ist normal, sich ein wenig Sorgen zu machen und zu hoffen, dass eher der faule Lehmann geht als man selber. Aber wie entscheiden Vorgesetzte?

Ehrlich wäre, Leistung und Potenzial oder auch die Gehaltshöhe würden zählen. Schließliche gehen Massenentlassungen mit gewünschten Kostenreduzierungen einher. Aber zu denken, dass eine gute Leistung ausreiche, um dem Kopfkürzen zu entgehen, das ist naiv.

Wen aber wählen die Chefs? Diejenigen auf den nutzlosen Positionen?

Sicherlich soziale Situation wird berücksichtigt. Ohne Kinder und ohne Anhang, da mag man vielleicht eher entlassen werden. Aber auch nicht immer. Firmenkultur ist eher entscheidend. Sind alle kinderlos, da spielt vielleicht der Sozialfaktor "Kind" eine geringere Rolle.

Was ich zur Zeit in meiner Firma bemerke, dass ist ein Politikum. Die Angestellten wählen "Schuldige". Menschen mit dem geringsten Ähnlichkeitsfaktor werden ausgewählt und deren Leistung besonders kritisch eingestuft. Beschwerden fallen gegenüber denjenigen, die sich ohnehin zum Außenseiter gemacht haben. Fair ist dieses Spiel mit Sicherheit nicht.

Wie wehrt man sich aber als Angestellter gegen diese Machtspielchen der Kollegen? Eigentlich ist es einfach, mache keine Feinde, sei nett und höflich, und lästere niemals hinter dem Rücken anderer. Lerne die Firmenkultur kennen und sei ein Teil dieser. Rudere nicht nur gegen den Strom. Zeige Aufmerksamkeit und lerne. Sei energiebeladen und enthusiastisch.

Aber so einfach ist es eigentlich nicht. Sonst wären ja alle erfolgreich.

Manchmal mag man die Kollegen einfach nicht. Manchmal sind einfach alle Idioten. Manchmal kommt man mit dem Chef nicht klar. Die Chemie stimmt einfach nicht.

Dann nützt manchmal nur der Biss in den sauren Apfel. Wer sich nicht in die Firmenkultur eingefunden hat, der hat vielleicht doch auf das falsche Pferd gesetzt und wäre in einer anderen Firma eventuell glücklicher. Es ist einfach nicht immer gut, bleiben zu wollen, wenn zu viele Faktoren eigentlich dagegen sprechen.

Vielleicht sollte man Krisensituationen auch einfach mal positiv sehen. Als einen Tritt in den Hintern, einmal über das eigene Verhalten und die eigene Wirkung auf andere nachzudenken. Das gibt einem die Chance beim nächsten Arbeitgeber, einen besseren Start zu wagen. Oder es ist ein Anspurn, die Weiterbildung doch zu wagen. Vielleicht das Risiko der Selbstständigkeit einzugehen?

Nicht jede Veränderung ist schlecht, auch wenn sie manchmal schmerzt.

Und wer behauptet schon alles über sich selbst zu wissen, der muss wirklich noch viel lernen.

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