aktuelle Veranstaltungen

meine FREIZEIT > Blog (Reise durch Kulturwelten) > Medienfassaden - des Hauses neue Kleider

Blog

Dienstag, 17.06.2008 22:30 Uhr
Naemi Reymann

Medienfassaden - des Hauses neue Kleider

Die nordspanische Weltausstellung 2008 widmet sich bis zum14. September 2008 dem Thema Wasser und nachhaltige Entwicklung. Die Anlage besteht unter aus vielen bohnenförmigen Pavillons mit Schattendächern, arrangiert um Wasserläufe. Angesichts der eher introvertierten Ausstellungsgebäude galt es, die Außenhüllen offener zu gestalte. An zentraler Stelle befindet sich der Sub-Sahara Pavillon über die Regionen südlich der Sahara. Dieser präsentiert innen die Nationalstaaten Afrikas und außen Eindrücke aus Afrika durch eine neue Generation von Medienfassaden. Das Faszinierende ist, dass die Technik dahinter relativ einfach ist.

Atelier Brückner aus Stuttgart gestaltete mit dem Medienspezialisten Marc Tamschick eine besondere Bespielung, die tagsüber wie auch nachts funktioniert. Pate für diese Neu-Entwicklung mit den Plättchen ist der Künstler Ned Kahn, der schon lange mit den Naturelementen experimentiert. (Einige kennen vielleicht sein "wind veil" die Fassade des Technoramas in Winterthur, Schweiz.)

Bedruckte und dynamische Ebene
Die sieben Meter hohen Wände des Ausstellungspavillons sind mit zwölf mal zwölf Zentimeter großen, mit Motiven bedruckten, leicht spiegelnden Plättchen versehen. Diese sind so angebracht, dass der Wind diese Plättchen in Bewegung versetzen kann. Die Spiegelungen zeigen die Umwelt, die Wasserfläche vor dem Pavillon oder auch Menschen als grobe Schemen. Der Betrachter soll sich nach den Vorstellungen der Macher an wogendes Wasser erinnert fühlen.

Aus der Ferne erscheinen afrikanische Motive, Landschaften und Tiere, beim Näher treten erkennt der Besucher Daten und Informationen zum Thema Wasser in den Sub-Sahara-Gebieten.

LED-Ebene
Abends (aber auch schon in schattigeren Zonen des Pavillons) tritt neben der bedruckten und der dynamischen noch eine dritte Ebene in Aktion:
Die Medienfassade wird zur Filmfläche, denn die Plättchen werden von hinten durch LED-Leuchten durchleuchtet: Es werden Filmsequenzen zu besonderen Klimaereignissen wie Gewitter, Wirbelstürme und Monsunregen projiziert. Dazu der Wasserkreislauf als Loop –als wiederkehrendes Thema – die Metamorphose des Wassers vom Rinnsal zum reißenden Strom bis zur Entstehung von Vegetation, begleitet von Filmaufnahmen aus Afrika, traditionellen Mustern, die aus den dreizehn präsentierten Ländern stammen.

Obwohl die Plättchen mit ihrer Größe ein recht grobes Raster ergeben scheint der Filmeffekt aus der Nähe gut zu funktionieren ¬ zum Teil gedoppelt durch die Spiegelungen in der Wasserfläche davor. Einen kleinen Eindruck von der Bespielung mit Zebras und den afrikanischen Mustern erhält man hier

Next Generation LED – das neue BMW-Museum
Eine wesentlich höhere Auflösung bei Medienfassaden entsteht derzeit im BMW-Museum in München, das in absehbarer Zeit eröffnet wird. Ebenfalls Atelier Brückner sorgte für die Umsetzung und Szenographie ¬ zusammen mit Art + Com aus Berlin – und für den neuen medialen Schwerpunkt des Firmenmuseums.
In der Ausstellung bewegen sich die Besucher auf einem Rampensystem bis zur "BMW-Schüssel" wie der markante Rundbau des Architekten Karl Schwanzer genannt wird. In der Schüssel endet die Besichtigungs-Tour mit einem Höhepunkt: Eine 360 Grad Rundprojektion. Der Besucher wird also durch diese Rampen durch das Gebäude zu großen weißen Ausstellungskuben geleitet. Die Außenflächen dieser Kuben sind hinterleuchtet. Der zentrale Raum (der Central Space) ist 13 Meter hoch und sämtliche Fassaden sind dicht mit LEDs besetzt, auf einer Fläche von insgesamt 600 Quadratmetern.

Diese mit einer speziellen Diffusorschicht versehenen Screens zeigen im schwarz-weiß Modus Filmsequenzen aus der Automobilgeschichte. An bestimmten Stellen löst der Besucher diese Filme aus. Hin und wieder gelangt er angesichts so viel Filmeinstimmung auch zu einigen Ausstellungsstücken wie z.B. Automobilen und kann sich der Aura des Originals erfreuen...

Zukunft der Mediatektur

Die nächsten Entwicklungsstufen auch im Bereich der Medienfassaden dürften nur eine Frage der Zeit sein. Spätestens, wenn die Weihnachtsleuchten der nächsten Saison besonders extrovertierte LED-Formen annehmen, ist das Thema auch beim letzten Endverbraucher angekommen. Wer erinnert sich nicht an den Hype, als plötzlich Netze aus blauen LED-Leuchten auftauchten? Wie wäre das wohl, wenn sich die Wände von Ausstellungs- und Messerräumen durch den Besucher verformen lassen (sich ausdehnen oder reduzieren), oder sich nach Stimmungen und Vorstellungen zum Beispiel farbig anpassen lassen?

Schön und gruselige Aussichten zugleich würde ich mal sagen, oder?
Dennoch: Es bleibt spannend.

es grüßt, Naemi Reymann

letzter Eintrag nächster Eintrag