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Sonntag, 01.06.2008 00:12 Uhr
Naemi Reymann

Vermessene Kunst – oder wie man zur Stifterfigur wird

GPS-Technologien, RFID-Tags und Überwachungskameras haben inzwischen den privaten und öffentlichen Raum erobert – aber auch die Kunst...

... Davon kann man sich beispielsweise in der Ausstellung „Waves“ des hartware medienkunstvereins auf Phoenix in Dortmund überzeugen.

Und jetzt kann man sich sogar im Raum digital vermessen und im Maßstab 1:6 modellieren lassen. Als dreidimensionale Kopie nimmt man dann im Lehmbruck-Museum in Duisburg an einem Kunstwerk teil, das zur Zeit im Rahmen der Ausstellung „Digitale Raumkunst“ entsteht.

Und ich hab’ mitgemacht! Seit letztem Sonntag bin ich damit auf dem Weg zur Stifterfigur – im wörtlichen Sinne. Hätte nicht gedacht, dass ich das mal machen würde. Das Ganze ist Teil eines Konzeptes, das von der Künstlerin Karin Sander entwickelt wurde.

Bereits seit langem beschäftigt sich die Schweizer Künstlerin, die in Zürich lehrt und in Berlin lebt, mit den Themen Vermessung und Kunst, dem Spannungsfeld von technischer Objektivität und künstlerischer Subjektivität. Beispielsweise der Quelltext im Raum, der die Koordinaten des Ausstellungsraums als Text an einer der Wände zeigt. Oder die Idee mit den plastischen 3-D Scans von Personen. Sie fand dieses Verfahren in der Industrie, es dient zur Herstellung von hoch präzisen Werkzeugen und Maschinenteilen. Sie überzeugte eine Firma, dieses Verfahren in den Dienst der Kunst zu stellen und setzte die 3-D Scans bereits in Stuttgart und Santiago de Compostela um.

Wie wird man jetzt zur Stifterfigur in Duisburg?
Für „1:6“, benannt nach dem Maßstab, begibt man sich zunächst in das Laboratorium, das Karin Sander im Lehmbruck Museum aufgebaut hat:

Man steht in eine Art Kabine, und nimmt eine beliebige Pose ein – anders als sonst, wenn der Künstler einem als Modell vorgibt, wie man sich hinzustellen hat. Es fiepst wie bei der Kontrolle im Flughafen, ein 3-D-Weißlichtscanner liest Figur, Haltung, Farbigkeit und Textur ein. Eine Station weiter sieht man bei Elke Spohn – die mit Karin Sander zusammenarbeitet – bereits wie sich das Bild der eingescannten Figur auf dem Computermonitor langsam aufbaut. Hier und da fehlen noch ein paar Pixel, diese schwarzen Pixelfelder werden noch ergänzt, ansonsten wird nichts retuschiert oder gar verändert. Die Farb- und Formdaten des Scans gehen dann als gerechnete STL-Daten zu einem 3-D-Farbstrahldrucker. Dieser baut dann die dreidimensionale Figur farbig in einem Gipsbett auf. So ähnlich wie bei einem dreidimensionalen Foto.

Im Laufe der Ausstellung soll durch dieses Verfahren eine Figurengruppe von einmaligen 3-D-Gipsfiguren entstehen. Denn jede Figur soll es laut Künstlerin nur einmal geben. Die Figurengruppe wächst bis zum Ende der Ausstellung und geht dann in die Sammlung des Museums über. Ab dem Zeitpunkt werde ich dann zum Stifter meiner Figur. Ich bin schon neugierig, wann und wo ich mich im Museum wieder finden werde...

Es grüßt, Naemi Reymann

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